Wirbelgleiten der Lendenwirbelsäule

Das Wirbelgleiten an der Lendenwirbelsäule (LWS) ist ebenfalls eine häufige Ursache für eine Vorstellung in unserer Praxis.

Beim Wirbelgleiten "rutscht" ein Wirbel nach vorne oder seitlich über den darunter liegenden Wirbel. Das Wirbelgleiten kann zwischen wenigen Millimetern und dem kompletten Versatz um eine ganze Wirbelkörperbreite liegen, in aller Regel handelt es sich um eine Versetzung der Wirbelkörperhinterkanten um ca. 5 bis 12 mm (Film zum Thema).

Diese Instabilität kann angeboren sein ("echtes Wirbelgleiten"), sie kann Folge von Bandscheibenverschleiß sein, (sogenannte Pseudolisthese) oder sie kann Folge eines Bruches sein, in der Regel infolge einer sogenannten "Ermüdungsfraktur".

Spondylolisthese prä-opSpondylolisthese seitlich post-op ZnSpondyFrakturLWSpost-op

Sie äußert sich zum einen, bedingt durch die Instabilität, als bewegungsabhängige Rückenschmerzen. Viele Patienten berichten über ein "Durchbrechgefühl" an der LWS. Gebücktes Arbeiten, Aufrichten aus gebückter Position und kleine Bewegungen im Rücken führen häufig zu starken Rückenschmerzen.

Zum anderen kommt es, bedingt durch das Wirbelgleiten, zu einer Einengung der Nervenwurzellöcher und somit zu einer bis ins Bein ausstrahlenden Schmerzsymptomatik, evtl. auch Gefühlsstörung oder Schwäche im Bein. Letztendlich kann durch das Wirbelgleiten auch eine Einengung des Rückenmarkkanals bewirkt werden, also eine Stenosebildung (vgl. hierzu Stenose an der LWS).

Die Therapie des Wirbelgleitens richtet sich nach der geklagten Schmerzsymptomatik und nach dem Ergebnis einer neurologischen Untersuchung, also ob Gefühlsstörungen, Reflexausfälle bzw. eine Schwäche im Bein vorliegen oder "nur" Rückenschmerzen.

Sollten die krankengymnastischen Maßnahmen, Fangopackungen, Schlingentischtherapie, Akupunkturbehandlung und medikamentöse Therapie -vielleicht auch das Anlegen eines Korsetts- keinen Erfolg bringen, bleibt letztendlich nur die Operation. Das Ziel der Operation ist einerseits die Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse, also je nach Befund die Erweiterung der Zwischenwirbellöcher, Erweiterung des Nervenkanals und möglichst das Zurückziehen des abrutschenden Wirbels auf seine von der Natur vorgegebene Position. Um dieses Ergebnis zu halten, muss eine Verschraubung erfolgen. Hierfür stehen uns unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung wie z. B. eine minimalinvasive Verschraubung (vgl. Sextant) oder eine dynamische Verschraubung (vgl. Cosmic). Häufig muss ein Ersatz der degenerativ veränderten Bandscheibe erfolgen (vgl. Capstone, Sextant), kombiniert mit einer Verschraubung. Nur selten ist ein größerflächiges Freilegen der Wirbelsäule zur operativen Stabilisierung erforderlich.

Manchmal kann auch eine Besserung durch eine Erweiterung des Spinalkanals erreicht werden, gelegentlich kombiniert mit einem zwischen den Domfortsätzen einzubringenden Implantat (vgl. Coflex). Gelegentlich reicht auch die alleinige Einbringung eines Platzhalters (vgl. Inspace) aus. Mit einer Besserung der Schmerzsymptomatik, sowohl der Rückenschmerzsymptomatik als auch der ins Bein ausstrahlenden Schmerzsymptomatik ist in ca. 80% der Fälle zu rechnen. Die Wirbelsäule ist danach wieder vollständig belastbar.